300 Jahre bürgerliches Wohnen

Eine spannende Geschichte!

 

Felixe Minas Haus - Höf 6 - 6675 Tannheim

Danke Hans Peter Zitt für die Aufnahmen: FMH-Weihnachten und Krippe

Seit der Erbauungszeit 1698 bewohnte Familie Zobl über 7 Generationen das Felixe Minas Haus bis 1990.

 

Im Rahmen des Ausbaues zum Kulturzentrum von 2008-2010 erfolgte die Restaurierung des historischen, seit 1976 denkmalgeschützten Wohnhauses und seine Integration in den Neubau.

Einer der ältesten Vorfahren von Mina, die als Tochter des Felix für das Haus namensgebend fungierte, war Rotgerber (Johann Georg Zobl, 1729 Eintrag in Pfarrbuch). Er stellte das grobe Leder für Sättel und Stiefel her, und brachte es zu einem gewissen Wohlstand. Weiters lebten hier ein Lehrer und Bürgermeister, eine Organistin und deren Vater gleichen Berufs. Die angeheirateten Männer, von Beruf Handelsmann und Zimmermeister, sowie Mina, die in den Dokumenten als Landwirtin bezeichnet wird. Mina vermietete Zimmer an Gäste. Sie hatte um 1960 in der oberen Stube ein Waschbecken mit Kalt- u. Warmwasser einbauen lassen. Der Komponist und Domkapellmeister vom Dom zu St. Jakob in Innsbruck, Prof. Karl Koch hatte viele Jahre im Dorf und bei Mina seinen Urlaub verbracht.

Nische unter dem kleinen Giebel (1895)

 

In der Nische sieht man ein Marienbild. Es handelt sich um eine Wandmalerei nach einem Gemälde von Lukas Cranach dem Älteren, dem Gnadenbild Maria-Hilf um 1517-25, das sich heute am Hochaltar des Innsbrucker Doms befindet. Es ist eines der meist verbreiteten Marienbilder in Tirol, das häufig kopiert wurde.

 

Dreimal wurde das Haus in weiblicher Erbfolge weitergegeben, zuletzt an Mina Schmid, deren Vater Felix Schmid 1890 in die Zobl Dynastie eingeheiratet hat. Die Erbin war Filipina Zobl, eine elegante Dame. Ihre Kleidung, Unterwäsche, Hüte und Pelze sind ebenso erhalten wie die Haushaltswäsche der damaligen Zeit.

 

In den Vitrinen im Foyer sind interessante Gegenstände des alltäglichen Lebens der gut bürgerlichen Familie ausgestellt.

 

Mit diesem Fundus an erhaltenen Möbeln aus drei Jahrhunderten konnte die Wohnsituation der vergangenen Zeit nachgestellt werden.

Mina

Die Stube

 

So spiegelt die Stube im Erdgeschoss den Klassizismus im ländlichen Raum wieder, die Schlafzimmereinrichtung den Historismus, die noch in der Erbauungszeit (um 1700) getäfelte Oberstube mit ihrem frühbarocken Kachelofen ist im Biedermeierstil eingerichtet, das Musikzimmer repräsentiert den Übergangstil zwischen Rokoko und Klassizismus, wenn man von einigen älteren Gemälden und einem Barocktisch absieht.

Das Biedermeier Zimmer mit Stuckdecke

 

Die Biedermeierbetten (1860) bestanden aus Matratzen mit Mais Flitschen-Füllung, Wolldecken, Tuchenden, und Federpölstern, welche mit Leinenwäsche bezogen waren. Mitte des 19.Jh. war der Flachsanbau und damit verbunden die Leinenerzeugung im Tannheime Tal zwar bereits durch Futterwiesen verdrängt.

Ein Kontoschrank aus dem 18.Jh. diente dem Kontor (Bank, Büro zur Verwahrung von wichtigen Dokumenten und Geld). Danke der Raiffeisenbank Tannheimer Tal, sie haben die Restaurierung dieses Kontoschrankes übernommen.

Das Musikzimmer

 

Im Musikzimmer befindet sich ein bemerkenswertes Orgelpositiv. Erbaut wurde diese tragbare Orgel (spätes 17.Jh) von Orgelbauer Martin Baur (geb. 1720 in Schattwald-Wies, gest. 1805). Martin Baur hatte in der Pfarrkirche zu Tannheim um 1799 eine mit 18 Register umfassende Orgel gebaut, die heute nicht mehr erhalten ist.

Ebenso befindet sich im Musikzimmer ein Clavichord, ein Vorläufer zum Hammerklavier von J. Bapt. Zobl (1770-1795). Es handelt sich um ein sehr frühes Instrument.

Besichtigung nur mit Führung!

 

Wir freuen uns auf Ihren Besuch

und bedanken uns für Restaurierungsspenden.